Trügerische Freiheit : Open-Source ERP
14 Okt

Trügerische Freiheit : Open-Source ERP

Was vor ein paar Jahren noch als kommender Trend erklärt wurde, ist jetzt schon Geschichte. Open-Source-ERP konnte sich trotz der glorreich geglaubten Zukunft nicht durchsetzen. Mangelnde Funktionalität und der hohe Anpassungsaufwand sind Gründe für den geringen Erfolg.

Open-Source ist ein Bergriff, der in der IT eher mit Office-Anwendungen und Betriebssystemen wie Linux, Open Office und Mozilla in Verbindung gebracht wird. Nicht aber mit ERP-Systemen. Einige wenige Lösungen bieten die Open-Source Alternative an – also ein ERP-System, das quelloffen ist, keinen Nutzerbeschränkungen unterliegt und veränderbar ist. Ansonsten gibt es höchstens Ergänzungen für die Software, beispielsweise als CRM-Modul.

Doch warum ist diese Form der ERP für so wenige eine Option?

Zum einen liegt es an der Komplexität der ERP-Systeme. Der hohe zeitliche Aufwand und die langjährige Erfahrung mit Software-Programmierung sind bisher großer Bestandteil einer guten ERP-Lösung. An die Funktionalität und die Qualität der Systeme dieser „älteren Gerneration“ kommen die Open-Source-Lösungen noch nicht heran. Deshalb verlassen sich die meisten Anwender auf andere Systeme, da der reibungslose Ablauf vom ERP für den Unternehmenserfolg wesentlich ist.

Ein weiterer Grund für den geringen Erfolg der Open-Source-Lösungen ist der hohe Anpassungsaufwand. Um ein Open-Source-ERP für ein Unternehmen anwendbar zu machen, sind oft noch große individuelle Anpassungen von Nöten. Da der Zeitaufwand zu hoch ist um die erforderlichen Anpassungen von der eigenen IT-Abteilung durchführen zu lassen, muss ein externer Softwaredienstleister beauftragt werden. Das verursacht wiederum hohe Kosten. Deshalb entscheiden sich die meisten Unternehmen für eine standardisierte Branchenlösung. Die Anpassungen halten sich in Grenzen, die Funktion der ERP wird von Anbieter gewährleistet und die Geschäftsleitung ist nicht vom Wissen der eigenen IT-Abteilung abhängig.

Eine wichtige Rolle in der Misserfolgs-Geschichte der Open-Source-ERP spielt der Mangel an Sponsoren dieser ERP-Option.
Eine große Anzahl der erfolgreichen Open-Source-Projekte wurden als Kontra zu den marktbeherrschenden Softwareanbietern ins Leben gerufen. Dabei wurden die Open-Source-Projekte von großen Konzernen unterstützt, die die Abhängigkeiten zu den Anbietern verringern wollten. Oracle förderte beispielsweise Linux, um die Markthoheit von Microsoft im Bereich Betriebssysteme und Office-Anwendungen zu schwächen. Google untersütze z.B. Mozilla um seine Suchmaschine zu verbreiten.
Im Bereich der ERP-Systeme konkurrieren die kleinen und mittelständischen Software-Unternehmen mit Marktführern wie SAP oder Microsoft. Damit entfällt die Notwendigkeit Open-Source-Projekte zu unterstützen um die Unabhängigkeit von den Anbietern zu fördern.

Da Open-Source-ERP in der Regel lizenzkostenfrei ist, verdienen die Anbieter ihr Geld durch Serviceleistungen wie Software-Implementierung, Customizing, Schulungen oder Support. Zudem werden von den Open-Source-Anbietern Wartungskosten verlangt. Allerdings orientieren sich gerade die populäreren Open-Source-Anbieter im ERP-Bereich an den Vertriebsmodellen der Standard-Lösungen. Das heißt es werden Lizenz- als auch Wartungskosten verlangt. Diese lizenzkostenpflichtigen Open-Source Anbieter garantieren allerdings meist auch vertraglich für die Lösung, wie bei „normaler“ ERP-Software üblich. Ist dies nicht gewärtleistet entfallen diese Kosten, was allerdings viele Risiken für den Unternehmenserfolg mit sich bringt. Die letztendlich anfallenden Kosten für ein ERP-System, dessen Funktion garantiert wird unterscheiden sich – ob „unfreies“ oder „Open-Source“-System – letzendlich kaum.

Aufgrund von mangelnder Qualität und Performance, hohem Anpassungsbedarf und wenig Unterstützung aus den oberen Reihen, werden quelloffenen ERP-Lösungen auch weiterhin nur eine kleine Rolle im Bereich der Business-Software einnehmen. Die wenigen Hersteller können sich auf dem Markt der ERP-Software wohl nur mit einzelnen Komponenten oder Insellösungen einen Namen machen. Trotz dem vorausgesagten Erfolg, ist den meisten Unternehmen das Risiko der Freiheit mit einer Open-Source-ERP-Lösung zu hoch. Außerdem gibt es in Punkto Funktionalität und Performance noch viel Raum für Verbesserungen.

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