MRP – Materialbedarfsplanung in SAP Business One
6 Jun

MRP – Materialbedarfsplanung in SAP Business One

MRP (Materialbedarfsplanung) und ERP sind dabei ein Geschwisterpaar, bei dem man nicht ganz genau weiß, welcher der beiden der/ die ältere ist. Selbst die neuesten ERP-Varianten können ihre Wurzeln, die direkt auf die Bedarfsplanung zurückführen, nicht verleugnen. Es geht im Grunde darum zu ermitteln, was, wie viel und wann es benötigt wird.

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Bei der Produktion von geringerer Fertigungstiefe oder/und geringeren Stückzahlen ist die Materialbedarfsplanung noch gut zu meistern. Für komplexe Produkte und größere Produktionsmengen sind entsprechend komplexere Berechnungen erforderlich. Dabei ist die geplante Fertigung ist ein wesentlicher Baustein für die Disposition von Anlagen und Fachkräften. Die Warenbestände sind in der Regel ein wesentlicher Kostenfaktor für die Unternehmenstätigkeit und einer der größten Einflussfaktoren auf die Rentabilität des Herstellers.

MRP für unterschiedliche Typen von Unternehmen

Auch wenn wir dazu tendieren, MRP als eine ausschließlich den Herstellern vorbehaltene Funktion zu betrachten, ist es wichtig zu begreifen, dass der Terminus “Hersteller” sehr weit gefasst werden kann. Im Sinne der Bedarfsplanung ist ein Hersteller jedes Unternehmen, das Komponenten oder Materialien erwirbt und sie auf irgendeine Weise umwandelt. Diese Unternehmen können sehr verschiedene Aufgaben verfolgen:

  • Händler, die Waren verpacken oder Sammlungen von Artikeln zu” Sets” oder Kombinationen für den Wiederverkauf als Einheit zusammenstellen
  • Händler, die kundenspezifische Produktkonfigurationen auf Bestellung zusammenstellen (Lagerhaltung von Haupt- und optionalen Zusatzkomponenten und anschließende Konfektionierung des kundenspezifischen Produktes für den Versand)
  • Dienstleister, die Pakete mit Unterlagen, Geräten, Verbrauchsmaterial oder anderen physischen Gegenständen zusammenstellen, die sie Kunden/Klienten/Patienten zur Verfügung stellen
  • Verwaltung von Geschäftsgebäuden, Kliniken, Behörden, Wohnungsverwaltungen etc.- für die Verwaltung von Vorräten und Geräten auf der Grundlage der voraussichtlichen Nutzung
  • Gastronomiebetriebe, die eine bestimmte Form von MRP verwenden, um den Bestand an Zutaten und Vorräten sowie den Nachschub zu verwalten

Der Ablauf der Materialbedarfsplanung

Ein zeitgemäßes MRP-System ist ein stark integriertes, in sich abgeschlossenes System, das das gesamte Unternehmen erfasst. Es registriert bei der Materialbedarfsplanung und ERP sind dabei ein Geschwisterpaar, bei dem man nicht ganz genau weiß, welcher der beiden der/ die ältere ist alle Abläufe und kommuniziert fortlaufend mit den Planungs- und Dispositionssystemen. Dabei folgt es folgenden Schritten:

  • Genaue Festlegung, was hergestellt werden muss. Die Konstruktion ist für die Erstellung und Verwaltung der Stückliste für alle Endprodukte und Unterbaugruppen verantwortlich. Das Endprodukt kann dabei aus mehreren Unterbaugruppen bestehen. Jede Unterbaugruppe kann aus zwei oder mehr Komponenten bestehen, und jede Komponente kann mehrere Teile beinhalten. In einer Stückliste wird also beschrieben, in welcher Reihenfolge das Material benötigt wird, welche Teile von anderen Teilen abhängig sind und wie viele von ihnen jeweils benötigt werden.
  • Das System berechnet die benötigte Menge und den Termin für die zur Deckung der Nachfrage benötigten Endprodukte. Die Berechnung basiert auf den Kundenbestellungen und -prognosen des Vertriebs, abzüglich des voraussichtlichen Lagerbestands. Manche Unternehmen konzentrieren sich dabei mehr auf Kundenaufträge, während andere Unternehmen eine Mischung aus Aufträgen und Prognosen für die Planung der künftigen Produktion verwenden.
  • Anhand der Stückliste und der Produktionsplanung für alle Erzeugnisse ermittelt der Dispositionslauf Schritt für Schritt die Baugruppen, Komponenten und Materialien, die im Planungszeitraum produziert oder gekauft werden müssen. Anschließend werden die benötigten Mengen mit den verfügbaren Lagerbeständen abgeglichen, um die Mindermenge für jede Komponente zu ermittelt. Mithilfe von zuvor definierten Parametern, wie der Losgröße, wird die richtige “Make-or-Buy”-Menge für jeden Artikel ermittelt. Anschließend wird das richtige Startdatum für die Beschaffung berechnet, wobei je nach Bedarf entweder die Einkaufs- oder die Produktionsvorlaufzeit verwendet wird,

Der MRP-Prozesse in SAP Business One

Einrichten von Stammdaten

Die Voraussetzung für die Durchführung der Disposition ist die Definition von Plandaten. Die wichtigsten Daten werden im Artikelstammsatz (in SAP ECC / S/4 Hana als Materialstammsatz bezeichnet) oder auf der Ebene der Artikelgruppe definiert und dann in die Datensätze der zu dieser Gruppe gehörenden Artikel vererbt. Wenn ein Artikel produziert wird, wird die zugehörige Stückliste (Liste der Komponenten) ebenfalls als Planungselement betrachtet.

Prognosen zur Materialbedarfsplanung

Es kann auch eine Prognose für den erwarteten Bedarf hinzugefügt werden. Dies kann eine Basisprognose
oder eine sogenannte intelligente Prognose sein.

Bei der Basisprognose legt der Benutzer den Prognosezeitraum fest und wählt die Häufigkeit aus, mit der die Artikelmenge verwaltet wird. Anschließend gibt der Benutzer die Mengen manuell ein. Nach dem Speichern kann der Benutzer die Mengen frei und einfach per Knopfdruck anpassen, die Häufigkeit kann jedoch nicht geändert werden.

Bei der intelligenten Prognose bietet das System verschiedene Algorithmen an, mit denen zukünftige Verkäufe anhand historischer Daten vorhergesagt werden. Der Benutzer kann die intelligente Prognose nach Lieferant, Lager oder Artikelsortiment auswählen. Die Vorhersagen können überarbeitet werden, wenn der Benutzer die abhängigen Daten ändert. Es können auch benutzerdefinierte Berechnungsmethoden verwendet werden, um die gewünschten Anforderungen zu erfüllen.

MRP-Assistent

Die Disposition wird mithilfe des Dispositionsassistenten durchgeführt. Dessen Aufgabe ist es, Lagerbestand, Angebot und Nachfrage zu analysieren und anhand der ermittelten Zahlen Empfehlungen für die interne (Produktion, Umlagerung) oder externe (Einkauf) Beschaffung zu generieren. Unter Angebot und Nachfrage versteht man in der Praxis offene Belege wie Bestellanforderungen, Bestellungen, Aufträge, Produktionsaufträge sowie Verkaufsangebote und Auftragsvorausrechnungen. Natürlich werden die Zahlen von verschiedenen Faktoren wie Mindest-/Höchstbestand, Losgröße, Vorlaufzeit für den Eingang usw. beeinflusst.

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren generiert MRP so viele Empfehlungen, wie nötig sind, um die Nachfrage zu dem Zeitpunkt zu befriedigen, zu dem sie fällig ist. Gleichzeitig wird so die Menge minimiert, die auf Lager gehalten werden muss. Der Dispositionsassistent läuft in den folgenden Schritten ab:

  1. Auswahl eines Szenarios aus der Liste, oder Erstellung eines neuen Szenarios
  2. Definition des Planungshorizonts für die Dispositionsempfehlungen und Einstellung der Vorlaufzeitberechnung
  3. Auswahl der für den Dispositionslauf relevanten Artikel
  4. Auswahl des Laufumfangs (Unternehmensebene oder Lagerebene)
  5. Bestimmung der für die Angebots- und Bedarfsberechnung relevanten Belegquellen
  6. Generierung der Dispositionsempfehlungen

Anzeige der MRP-Ergebnisse in SAP Business One

Nachdem der Dispositionsassistent gelaufen ist, erscheint ein Fenster mit den Dispositionsergebnissen. Dort kann der Benutzer Informationen über den Anfangsbestand, das Angebot und den Bedarf sowie den Endbestand überprüfen. Es besteht auch die Möglichkeit, auf eine Zelle zu klicken, um die Details der Informationen zu sehen und so zu verstehen, wie diese Menge berechnet wurde.

Umwandlung der Materialbedarfsplanung

Der Benutzer kann die ausgegebenen Empfehlungen in tatsächliche Bestellungen umwandeln (entweder für interne oder externe Beschaffung), indem er die Funktion Bestellempfehlung verwendet. Dies beinhaltet ein separates Fenster, das die in der Dispositionsempfehlung angezeigten Daten enthält. Der Benutzer kann dort alle erforderlichen Anpassungen vornehmen, wie Änderung von Lieferant/Menge/Datum, Auswahl der Belegart usw. Über das Kontextmenü hat er außerdem Zugriff auf spezifische Berichte, die ihm helfen können, Entscheidungen über notwendige Anpassungen zu treffen. Konsolidierung von Dokumenten für denselben Lieferanten, um Größenvorteile zu erzielen.

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