15 Apr.

Halbfabrikate (SAP Business One )


E-Rechnung in Deutschland: So setzen Sie die Pflicht mit SAP Business One um

Halbfabrikate sind in SAP Business One eigenständige, produzierbare Artikel, die als Zwischenprodukte in einem mehrstufigen Fertigungsprozess entstehen. Sie werden in separaten Produktionsaufträgen gefertigt, als Zugang ins Lager gebucht und anschließend als Komponenten in übergeordneten Fertigungsstufen verbraucht. Damit verbinden sie zwei Rollen: Sie sind zugleich Ergebnis eines Produktionsauftrags und Eingangsmaterial für den nächsten.

Kontext und Bedeutung

Halbfabrikate machen mehrstufige Fertigung systemseitig sauber abbildbar. Statt einen komplexen Endartikel in einer einzigen riesigen Stückliste zu pflegen, lässt sich der Prozess in logische Zwischenstufen gliedern — mit eigenen Stücklisten, eigenen Kosten und eigener Bestandsführung. Das schafft Transparenz über die Wertschöpfung entlang der Fertigungskette und erlaubt es, Zwischenprodukte bei Bedarf auch extern zu verkaufen oder an andere Produktlinien weiterzugeben.

Der Lagerbestand (OITM/OITW) wird an zwei Punkten bewegt: Zugang nach der eigenen Produktion und Abgang beim Verbrauch in der nächsten Stufe. Kostenmäßig akkumulieren Halbfabrikate die Material-, Ressourcen- und Gemeinkosten ihres eigenen Fertigungsprozesses. Diese Kosten fließen in den Work-in-Process (WIP) und letztendlich in die Selbstkosten des Endprodukts — das ermöglicht eine präzise Kostenkalkulation über mehrere Fertigungsstufen hinweg.

Stammdaten-Voraussetzungen

  • Artikelstamm (OITM): Jedes Halbfabrikat muss als eigenständiger Lagerartikel angelegt sein — mit eigener Artikelnummer, Bewertungsmethode und Lagerbuchungsregeln.
  • Eigene Produktionsstückliste (OITT/ITT1): Für jedes Halbfabrikat wird eine Stückliste vom Typ „Produktion" hinterlegt, die alle Komponenten und Ressourcen enthält, die zu seiner Herstellung benötigt werden.
  • Rolle als Komponente: Gleichzeitig erscheint das Halbfabrikat als Komponente in der Stückliste des übergeordneten Endprodukts oder eines weiteren Halbfabrikats — so entstehen mehrstufige Fertigungsbäume.
  • Ausgabemethode (ITT1.IssueMthd): Wie bei jeder Komponente entscheidet sie darüber, ob der Verbrauch manuell gebucht oder automatisch per Backflush verarbeitet wird.
  • Ressourcen (ORSC): Arbeitszeiten, Maschinenstunden und Fertigungsgemeinkosten werden über Ressourcen den Stücklisten oder Aufträgen zugeordnet — das ist die Grundlage für Overhead-Allokation und realistische Herstellkosten.

Zweistufiger Fertigungsprozess

Halbfabrikate folgen dem regulären Fertigungsauftrags-Lebenszyklus, allerdings mehrstufig. Der typische Ablauf gliedert sich in zwei aufeinanderfolgende Produktionszyklen:

Stufe 1: Fertigung des Halbfabrikats

  1. Fertigungsauftrag anlegen (OWOR): Manuell oder durch den MRP-Lauf — Status: Geplant.
  2. Auftrag freigeben: Status wechselt auf Freigegeben, die Komponenten werden reserviert.
  3. Materialentnahme: Die für das Halbfabrikat benötigten Komponenten werden über den Warenausgang Produktion entnommen.
  4. Rückmeldung: Das fertiggestellte Halbfabrikat wird über den Wareneingang Produktion zurückgemeldet — der Lagerbestand des Halbfabrikats steigt, die Kosten werden gebucht.
  5. Auftrag abschließen: Nach vollständiger Rückmeldung wird der Auftrag auf Abgeschlossen gesetzt.

Stufe 2: Fertigung des Endprodukts

  1. Fertigungsauftrag für Endprodukt anlegen: Das zuvor produzierte Halbfabrikat erscheint nun als Komponente in der Stückliste des Endprodukts.
  2. Materialentnahme: Das Halbfabrikat wird aus dem Lager entnommen und dem Fertigungsauftrag des Endprodukts zugewiesen.
  3. Rückmeldung Endprodukt: Das fertige Endprodukt wird ins Lager gebucht — seine Herstellkosten enthalten nun auch die akkumulierten Kosten des eingesetzten Halbfabrikats.

Bei entsprechend komplexen Fertigungen können sich weitere Zwischenstufen einfügen — jede mit eigenem Fertigungsauftrag, eigener Rückmeldung und eigener Kostenakkumulation.

MRP und mehrstufige Planung

Der MRP-Lauf ist bei mehrstufigen Fertigungen besonders wertvoll. Er löst den Bedarf am Endprodukt rekursiv auf: Zuerst wird der Bedarf an Halbfabrikaten ermittelt, anschließend der Bedarf an den Komponenten dieser Halbfabrikate. Für jede Stufe werden Produktionsauftragsempfehlungen erzeugt — inklusive korrektem Startdatum, das die Durchlaufzeit der jeweiligen Fertigungsstufe berücksichtigt. So entsteht ein zeitlich abgestimmter Fertigungsplan über alle Ebenen hinweg.

Praxistipp

Legen Sie Halbfabrikate immer dann als eigenständige Artikel an, wenn eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist: Das Zwischenprodukt wird zwischengelagert, es wird auch an Externe verkauft, es wird in mehreren Endprodukten eingesetzt, oder die Herstellkosten sollen separat ausweisbar sein. Eine einzige monolithische Stückliste spart zwar initialen Pflegeaufwand, macht Kostenanalyse und Kapazitätsplanung jedoch bei mehrstufiger Fertigung praktisch unmöglich.

Abgrenzung

Halbfabrikate sind keine Rohmaterialien — sie entstehen erst im eigenen Fertigungsprozess und tragen dessen Material- und Ressourcenkosten in sich. Sie sind auch nicht identisch mit Unterbaugruppen: Der Begriff überschneidet sich, aber „Halbfabrikat" betont die betriebswirtschaftliche Sicht (ein bewertetes Zwischenprodukt mit eigener Bestandsführung), während „Unterbaugruppe" stärker die technische Strukturierung meint. Ebenso abzugrenzen sind Work-in-Process-Bestände (WIP): WIP ist kein eigenständiger Artikel, sondern ein Zustand — offene Produktionsaufträge, die noch nicht rückgemeldet sind. Ein Halbfabrikat dagegen existiert als physisch abgeschlossenes, eingelagertes Produkt mit fester Artikelnummer.


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