15 Apr.

Rüstzeiten (SAP Business One)


E-Rechnung in Deutschland: So setzen Sie die Pflicht mit SAP Business One um

Rüstzeiten sind fixe, mengenunabhängige Zeiten, die für die Vorbereitung einer Maschine oder eines Arbeitsplatzes auf eine Fertigungsaufgabe anfallen — unabhängig davon, ob anschließend 10 oder 1.000 Stück produziert werden. Sie beeinflussen in SAP Business One sowohl die Durchlaufzeit als auch die Herstellkosten und sind ein zentraler Hebel für Losgrößenentscheidungen und Kapazitätsplanung.

Kontext und Bedeutung

Die korrekte Berücksichtigung von Rüstzeiten ist entscheidend für eine realistische Kapazitätsplanung und eine genaue Kalkulation der Herstellkosten. Werden sie ignoriert oder zu niedrig angesetzt, entstehen sofort spürbare Folgeeffekte: Die tatsächlichen Durchlaufzeiten werden unterschätzt, Produktionspläne sind suboptimal, Liefertermine geraten in Gefahr und die kalkulierten Produktkosten verzerren die Gewinnmargen.

Rüstzeiten erhöhen außerdem die Gemeinkosten pro Los — je kleiner das Los, desto stärker schlägt die Rüstzeit pro Einheit zu Buche. Damit sind sie ein zentraler Faktor bei der Bestimmung wirtschaftlicher Losgrößen und bei der Entscheidung, wie Fertigungsaufträge zu bündeln sind.

Stammdaten-Voraussetzungen

  • Ressourcen (ORSC): Rüstzeiten werden über Ressourcen abgebildet. Jede Maschine oder jeder Arbeitsplatz, der Rüstzeit benötigt, sollte als Ressource definiert sein — konfigurierbar unter Module → Administration → Definition → Produktion → Ressourcen. Für die Rüstung selbst kann entweder eine eigene „Rüst-Ressource" angelegt oder ein spezifischer Vorgang innerhalb einer bestehenden Ressource definiert werden.
  • Zeiteinheit und Kostenpreis: In den Ressourcen-Stammdaten müssen die Einheit (Stunden, Minuten) und der Stundensatz hinterlegt sein — ohne diese Werte ist keine Kostenverrechnung möglich.
  • Produktionsstückliste (OITT/ITT1): Die Rüst-Ressource wird als Komponente vom Typ „Ressource" (Item Type 'R') in der Stückliste des Fertigartikels hinterlegt. Die Menge entspricht der benötigten Rüstzeit (z. B. 2 Stunden).
  • Fixe Menge pro Auftrag: Entscheidend ist die Kennzeichnung als „Menge pro Auftrag" — so wird die Rüstzeit unabhängig von der produzierten Stückzahl genau einmal pro Fertigungsauftrag verrechnet. Ohne diese Einstellung würde die Rüstzeit pro Stück gerechnet — ein häufiger und teurer Konfigurationsfehler.

Routenplanung und Etappen

Bei komplexeren Fertigungsprozessen lassen sich Rüstzeiten als eigene Etappe oder als Bestandteil einer Etappe im Produktionsauftrag verankern (WOR4 — Prozessabfolge). Das erlaubt eine sequenzielle Planung und eine separate Rückmeldung der Rüstvorgänge — sinnvoll etwa, wenn mehrere unterschiedliche Rüstvorgänge in einer Fertigungskette aufeinanderfolgen oder wenn Rüstzeiten von qualifiziertem Personal vor dem eigentlichen Maschinenlauf erbracht werden.

Transaktionslogik im Fertigungsauftrag

  1. Auftrag anlegen (OWOR): Beim Anlegen eines Fertigungsauftrags über Module → Produktion → Fertigungsauftrag wird die Rüst-Ressource aus der Stückliste in den Auftrag übernommen. Die geplante Rüstzeit fließt in die gesamte Durchlaufzeit und die geplanten Kosten ein.
  2. Statusübergänge: Die Rüstzeit ist Teil der „Geplanten" und „Freigegebenen" Zeiten. Ihre Erfassung erfolgt idealerweise vor dem eigentlichen Produktionsprozess.
  3. Rückmeldung: Die tatsächliche Rüstzeit wird entweder über die manuelle Materialentnahme der Rüst-Ressource oder über die Rückmeldung von Ressourcen-Verbräuchen erfasst. Das beeinflusst direkt die Ist-Kosten des Auftrags.

MRP und Kapazitätsplanung

Der MRP-Assistent (Module → MRP → MRP-Assistent) berücksichtigt die in den Stücklisten hinterlegten Ressourcen und deren Verbrauchszeiten einschließlich Rüstzeit als Teil der Gesamtdurchlaufzeit. Das beeinflusst unmittelbar die vorgeschlagenen Start- und Endtermine der Produktionsaufträge.

Für die Kapazitätsplanung sind Rüstzeiten besonders heikel: Sie belasten die Ressource genauso wie die eigentliche Produktion. Eine hohe Anzahl kleiner Lose mit hohen Rüstzeiten kann die verfügbare Kapazität dramatisch reduzieren — und ist der klassische Weg in einen Engpass (Bottleneck). Die fixen Zeitblöcke pro Auftrag müssen in der Planung explizit berücksichtigt werden, sonst entsteht eine scheinbare Verfügbarkeit, die in der Realität nicht existiert.

Losgrößenoptimierung

Rüstzeiten sind der entscheidende Faktor bei der Bestimmung optimaler Losgrößen. Je größer das Los, desto mehr Einheiten teilen sich die fixe Rüstzeit — die Rüstkosten pro Stück sinken, die Effizienz steigt. Gleichzeitig steigen bei größeren Losen aber Lager- und Kapitalbindungskosten. Das wirtschaftliche Optimum liegt dort, wo die Summe aus Rüstkosten und Lagerhaltungskosten ein Minimum erreicht — klassisch abgebildet in der Andler-Formel (Economic Order Quantity).

Praxistipp

Prüfen Sie bei jeder Ressource in der Stückliste ausdrücklich, ob die Menge als „Menge pro Auftrag" oder „Menge pro Stück" definiert ist. Fehlerhafte Konfigurationen sind einer der häufigsten Kostenkalkulationsfehler im SAP-B1-Produktionsumfeld — und sie fallen erst auf, wenn entweder die Herstellkosten unplausibel hoch sind (bei kleinen Losen) oder die Durchlaufzeit bei großen Losen unrealistisch wird. Rüstzeiten gehören immer auf „Menge pro Auftrag", variable Bearbeitungszeiten immer auf „Menge pro Stück".

Abgrenzung

Rüstzeiten sind keine Bearbeitungszeiten — diese wachsen proportional mit der Produktionsmenge, während Rüstzeiten unabhängig von der Losgröße anfallen. Sie sind auch abzugrenzen von Liegezeiten oder Transportzeiten, die zwar ebenfalls in die Gesamtdurchlaufzeit eingehen, aber keine aktive Ressourcenbelastung darstellen. Ebenso zu unterscheiden sind sie von Wartungs- und Reinigungszeiten außerhalb eines konkreten Auftrags: Diese gehören in die allgemeine Maschinenverfügbarkeit, nicht in die auftragsbezogene Kalkulation.


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