ERP Zufriedenheitsanalysen. Was steckt dahinter?
12 Nov

ERP Zufriedenheitsanalysen. Was steckt dahinter?

Jedes Jahr dürfen sich die entsprechend platzierten ERP-Anbieter über die im Grunde geschenkte Werbung freuen. Selbt die Medien stürzen sich auf die von Beratungs- und Analystenhäusern durchgeführten Untersuchungen.

Zahlreiche, vielseitige Berichte in Fachmagazinen mit Kommentaren der Anbieter der ausgezeichneten ERP sind das Ergebnis. Natürlich haben sich die gekrönten ERP-Anbieter in Themen wie Mobility, Cloudfähigkeit, Business Intelligence oder Big Data auch erst qualifizieren müssen. Dennoch werden die Zufriedenheitsanalysen doch eigentlich für Kunden durchgeführt? Doch wie groß ist der Nutzen für die Auswahl einer eigenen ERP-Lösung?

Erst einmal stellt sich die Frage, welche bzw. können ERP-Systeme in einer Vielzahl überhaupt sinnvoll verglichen werden? Sind beispielsweise einige Systeme am Markt weit verbreitet, andere kaum, ist das als Grundlage für eine gute Auswertung der Systemlandschaft schon schwierig. Um einen verlässlichen Vergleich durchzuführen, muss eine ausreichende Anzahl an “gleichgestellten” Systemen vorhanden sein.
Unterschieden wird wiederum zwischen globalen und nicht globalen ERP-Anbietern. Allerdings ist auch die Auszeichnung “global” als Vergleichsgrundlage mit Vorsicht zu genießen. Denn “global” kann heißen das es tatsächlich global vom Anbieter vertrieben wird, das ERP-System allein diese Verbreitung hat oder durch sog. Local Packages global verfügbar ist.

Interessant sind neben den ERP-Anbietern als Vergleichsgrundlage, die beurteilenden Unternehmen bei den ERP-Zufriedenheitsanalysen. Wie werden die diese Unternehmen ausgesucht, kontaktiert und befragt? Vom direkten Betreiber der Zufiedenheitsanalyse oder über den ERP-Anbieter? Auch ist unklar, welche Personen beurteilen, also welche Position oder Funktion sie im Unternehmen ausüben. Ob Unternehmen über die Jahre doppelt befragt werden. Ist bei der Befragung zwischen Fachanwendern und Betreibern differenziert worden? Kann der Beurteilende wirklich jeden Bereich des ERP-System fach kenntlich beurteilen? All diese Fragen werden nicht ausreichend dokumentiert, haben aber Einfluss auf das Ergebnis der Zufriedenheitsanalyse.
Was in die Auswertung mit einbezogen wird, ist die Größe der befragten Unternehmen. Dabei bezieht sich die Größe eines Unternehmens auf die Zahl der Mitarbeiter. Nicht aber auf die der ERP-System Anwender. So hat ein Fertigungsunternehmen mit 100 Mitarbeitern sehr viel weniger Anwender als ein Dienstleister. Ebenfalls wird nicht ersichtlich wie sich die Unternehmensgrößen auf die zu beurteilenden ERP-Systeme verteilen.

Ob die Ergebnisse aus den Befragungen dieser Unternehmen ausreichen um ein ERP-System ausreichen zu beurteilen?
Kommt also eine ERP-Zufriedenheitsanalyse für die Auswahl eines eigenen ERP-Systems überhaupt in Frage?
Bei diesen Analysen werden kleine branchenspezifische ERP-Lösungen mit einer Handvoll Nutzern, den großen Standard-Systemen gegenüber gestellt. Die Zufriedenheit des Handelskonzern wird mit der des Dienstleistungsspezialisten verglichen. Auch scheint es so das ERP-Anbieter mit drei Bewertungen, anderen mit 80 Antworten gleichgestellt werden. Außerdem werden Begriffe die in der ERP noch nicht genau definiert sind, oft unterschiedlich interpretiert. Je nach Anwendersicht kann die “cloudfähigkeit” eines ERP-Systems ganz unterschiedlich beurteilt werden. Alles in allem: keine sehr brauchbare Grundlage zur Auswahl eines ERP-Systems. Sie können hilfreich sein um sich über das allgemeine Angebot am Markt zu orientieren, ist aber kein Ersatz für eigenständige Suche und Vergleiche eines geeigneten ERP-Systems.

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