
Der Meldebestand (auch: Bestellpunkt, Reorder Point) ist ein fester Schwellenwert im Artikelstamm. Sinkt der verfügbare Lagerbestand auf oder unter diesen Wert, löst SAP Business One einen Bestellvorschlag aus — ohne dass ein offener Kundenauftrag oder ein MRP-Lauf vorliegen muss.
Einordnung: Bestellpunkt-Verfahren
Der Meldebestand gehört zum klassischen Bestellpunkt-Verfahren: Die Bestellung erfolgt verbrauchsgesteuert, sobald ein definierter Mindestbestand unterschritten wird. Dieses Verfahren eignet sich besonders für Artikel mit regelmäßigem, gut prognostizierbarem Verbrauch. SAP Business One unterstützt beide Beschaffungsverfahren — Bestellpunkt und MRP — und lässt je nach Artikel individuell wählen.
Abgrenzung zu MRP und Sicherheitsbestand
Der Meldebestand und die Materialbedarfsplanung (MRP) sind grundlegend unterschiedliche Verfahren. Der Meldebestand reagiert auf den aktuellen Bestandswert; MRP plant bedarfsgesteuert auf Basis offener Aufträge, Prognosen und Stücklistenstrukturen und terminiert Vorschläge zeitgenau. Beide Verfahren existieren in SAP Business One nebeneinander — welches greift, hängt von der Planungsmethode ab, die im Artikelstamm hinterlegt ist.
Davon zu unterscheiden ist der Sicherheitsbestand: Er ist ein Puffer unterhalb des Meldebestands, der nicht für die reguläre Bedarfsdeckung verplant wird. Der Sicherheitsbestand schützt gegen Lieferverzögerungen und Verbrauchsspitzen; der Meldebestand ist der Auslöser für die Nachbestellung. In der Praxis gilt:
- Meldebestand = Schwellenwert, der die Bestellung auslöst
- Sicherheitsbestand = Puffer darunter, der nie planmäßig verbraucht werden soll
Pflege im Artikelstamm (SAP Business One)
Der Meldebestand wird im Artikelstamm auf Lagerortebene hinterlegt. Der relevante Reiter lautet je nach Version Lagerdaten oder Planungsdaten. Das entsprechende Datenbankfeld ist OITW.MinLevel (lagerortspezifisch) bzw. OITM.MinLevel (mandantenweit). Sobald der Bestand auf oder unter diesen Wert fällt, erscheint der Artikel im Bericht Lagerbestandsstatus als Nachschubkandidat und löst — abhängig von der Systemkonfiguration — einen Bestellvorschlag aus.
Ergänzend können folgende Felder im Artikelstamm sinnvoll sein:
- Wiederbeschaffungstage (Lead Time, OITM): Anzahl Tage bis zur Lieferung — fließt in die Berechnung des korrekten Meldebestands ein.
- Mindestbestellmenge (MinOrdrQty): Unterschreitet der errechnete Bedarf diesen Wert, rundet SAP Business One auf die Mindestmenge auf.
- Sicherheitsbestand: Mindestpuffer, der nicht verplant wird — im MRP-Umfeld löst er ebenfalls einen Vorschlag aus, sobald der Bestand darunter sinkt.
Berechnung des Meldebestands
Die klassische Formel lautet:
Meldebestand = (Tagesverbrauch × Wiederbeschaffungszeit in Tagen) + Sicherheitsbestand
Ein Beispiel: Verbraucht ein Artikel täglich 10 Stück und dauert die Wiederbeschaffung 5 Tage, ergibt sich ein Bestellpunkt-Verbrauch von 50 Stück. Addiert man einen Sicherheitsbestand von 20 Stück, liegt der Meldebestand bei 70 Stück. SAP Business One führt diese Berechnung nicht automatisch durch — der Planer trägt den ermittelten Wert manuell in den Artikelstamm ein.
Praxis-Hinweise
Ein zu niedrig angesetzter Meldebestand führt zu Lieferengpässen, weil die Nachbestellung zu spät ausgelöst wird. Ein zu hoher Wert bindet unnötig Kapital. Daher sollte der Meldebestand regelmäßig — mindestens quartalsweise — gegen den tatsächlichen Verbrauch und die aktuellen Wiederbeschaffungszeiten geprüft werden.
Typische Stolpersteine in der Praxis:
- Veraltete Wiederbeschaffungszeiten: Liefert ein Lieferant seit einem Jahr schneller, ist der Meldebestand zu hoch — das Kapital liegt unnötig im Lager.
- Kein Sicherheitsbestand eingeplant: Ohne Puffer reicht ein einzelner Lieferverzug, um einen Auslieferungsstopp zu verursachen.
- Meldebestand und MRP gleichzeitig aktiv: Sind für denselben Artikel sowohl ein Meldebestand als auch ein MRP-Szenario aktiv, können Doppelvorschläge entstehen. Die Planungsmethode im Artikelstamm sollte eindeutig gesetzt sein.
Abgrenzung verwandter Begriffe
- Meldebestand vs. Sicherheitsbestand: Der Meldebestand löst die Bestellung aus; der Sicherheitsbestand ist der Puffer darunter. Beides sind separate Felder im Artikelstamm.
- Meldebestand vs. MRP: Der Meldebestand reagiert bestandsbasiert; MRP plant bedarfsbasiert auf Basis von Aufträgen und Prognosen.
- Meldebestand vs. Mindestbestellmenge: Die Mindestbestellmenge (MinOrdrQty) bestimmt die kleinste zulässige Bestellgröße — sie ist keine Bestandsgrenze, sondern eine Mengenvorgabe.
- Meldebestand vs. Losgröße: Die Losgröße (Auftragsvielfaches, OrdrMulti) bündelt Bestellmengen in festen Einheiten; der Meldebestand ist davon unabhängig.
Neu in SAP B1 10.0 FP2602: Lager & Logistik, Produktion, Bankwesen
Mobiles Lager 2025 mit Versino Warehouse Pro
Gleitender Durchschnittspreis in SAP Business One
Mengeneinheiten in SAP Business One
Lagermanagement mit SAP Business One
Konsignationslager in SAP Business One
MRP – Materialbedarfsplanung in SAP Business One