
Die Teilfertigmeldung in SAP Business One ermöglicht die schrittweise Rückmeldung produzierter Mengen zu einem Fertigungsauftrag, bevor dieser vollständig abgeschlossen ist. Sie bildet den realen Produktionsalltag ab — denn selten verlässt die komplette Planmenge gleichzeitig die Fertigung. Die Teilfertigmeldung macht fertige Teilmengen sofort dispositionsfähig, noch während der Rest des Auftrags weiterläuft.
Kontext und Bedeutung
Eine Teilfertigmeldung bucht den Zugang des Fertigerzeugnisses sofort in das Fertigwarenlager — die verfügbare Bestandsmenge (OITM/OITW) steigt, die Lieferfähigkeit verbessert sich. Gleichzeitig werden die anteiligen Material- und Ressourcenkosten aus dem Work-in-Process (WIP) in die Herstellkosten des Fertigprodukts überführt. Das ermöglicht eine präzise, zeitnahe Kostenkalkulation und Bestandsbewertung, da der Wert der fertiggestellten Güter früher im System sichtbar ist.
Die offene Restmenge des Fertigungsauftrags reduziert sich entsprechend — mit direkten Auswirkungen auf die MRP-Planung: Bereits gedeckte Bedarfe werden nicht erneut eingeplant, und Dispositionsvorschläge passen sich dem tatsächlichen Fortschritt an.
Stammdaten-Voraussetzungen
- Produktionsstückliste (OITT/ITT1): Für den Oberartikel muss eine gültige Stückliste existieren, die alle Komponenten mit Mengen und Rückflussmethode (Manuell oder Backflush) festlegt.
- Ressourcen (ORSC): Sollen Arbeits- oder Maschinenkosten in die Fertigung einfließen, müssen die Ressourcen korrekt in Stückliste oder Routing hinterlegt sein.
- Artikelstammdaten: Der Fertigartikel und alle Komponenten müssen mit korrekter Lagerzuordnung und Bewertungsmethode gepflegt sein, sonst schlägt die Kostenbuchung fehl.
Ablauf im Fertigungsauftrag
Die Teilfertigmeldung ist eng mit dem Lebenszyklus des Fertigungsauftrags verzahnt:
- Auftrag anlegen (OWOR): Fertigungsauftrag mit Planmenge und Fälligkeitsdatum — Status „Geplant" (OWOR.DocStatus = 'P').
- Auftrag freigeben: Status wechselt auf „Freigegeben" (OWOR.DocStatus = 'R'). Komponenten werden reserviert (sofern nicht Backflush-Methode greift), bei mehrstufigen Stücklisten können abhängige Aufträge automatisch erzeugt werden.
- Materialentnahme (optional): Bei manueller Ausgabemethode erfolgt die Entnahme über den Warenausgang Produktion (OIGE). Die Komponenten werden aus dem Lager gebucht und dem Auftrag belastet.
- Teilfertigmeldung durchführen:
- Navigation: Produktion → Wareneingang Produktion.
- Den freigegebenen Fertigungsauftrag auswählen.
- Die tatsächlich produzierte Gutmenge (und ggf. Ausschuss) eingeben — kleiner als die Planmenge bzw. als die noch offene Menge.
- Das System bucht den Zugang ins Fertigwarenlager (Transaktion InventoryGenEntry). OWOR.CompletedQuantity wird aktualisiert.
- Komponenten mit Ausgabemethode „Rückfluss bei Fertigmeldung" werden automatisch und anteilig aus dem Lager entnommen.
- Der Auftrag verbleibt im Status „Freigegeben" (mit aktualisierter CompletedQuantity), solange die Planmenge noch nicht erreicht ist.
- Weitere Rückmeldungen: Dieser Schritt kann beliebig oft wiederholt werden, bis die Gesamtmenge erreicht ist — oder der Auftrag bewusst mit einer Untererfüllung beendet wird.
- Auftrag abschließen: Bei vollständiger Rückmeldung (oder wenn keine weitere Produktion geplant ist) wird der Auftrag manuell abgeschlossen (OWOR.DocStatus = 'L'). Noch reservierte Restkomponenten werden freigegeben.
Auswirkungen auf MRP und Kapazität
Der MRP-Assistent (Module → MRP → MRP-Assistent) berücksichtigt die OWOR.CompletedQuantity direkt. Eine Teilfertigmeldung reduziert die offene Menge des Auftrags — entsprechend werden weniger Empfehlungen für den Fertigartikel erzeugt, oder bestehende Auftrags-Empfehlungen werden als überflüssig gekennzeichnet, wenn der Bedarf bereits teilweise gedeckt ist.
Auf die Ressourcen-Kapazitätsplanung wirkt die Teilfertigmeldung nur indirekt: Die ursprüngliche Kapazitätsbelegung ist durch den freigegebenen Auftrag und sein Routing definiert. Frühzeitige Teilfertigmeldungen können aber signalisieren, dass Ressourcen früher als geplant für nachfolgende Aufträge verfügbar sein könnten — ein wichtiger Input für die Feinplanung.
Praxistipp
Teilfertigmeldungen lohnen sich immer dann, wenn zwischen Produktionsbeginn und Fertigstellung der Gesamtmenge mehrere Tage liegen und bereits produzierte Teilmengen zur Auslieferung benötigt werden. Nutzen Sie die Funktion konsequent — nicht erst bei Auftragsabschluss. Das verbessert die Lieferfähigkeit, macht WIP-Bestände realistischer und gibt der Disposition tagesaktuelle Grundlagen. Achten Sie bei der Erfassung von Ausschuss darauf, diesen gesondert zu dokumentieren — nur so lassen sich Ausschussquoten, Nachkalkulationen und Qualitätsauswertungen sauber führen.
Abgrenzung
Eine Teilfertigmeldung ist keine Vollfertigmeldung — diese schließt den gesamten Fertigungsauftrag ab und setzt den Status auf „Abgeschlossen". Sie ist auch nicht mit einer Bestandskorrektur zu verwechseln: Eine Teilfertigmeldung erzeugt Kostenverbuchungen gemäß der Stückliste, während eine Bestandskorrektur nur die Menge anpasst — ohne Bezug zum Fertigungsauftrag. Ebenso abzugrenzen ist sie von einer Splittung eines Fertigungsauftrags: Bei der Splittung wird ein Auftrag in mehrere eigenständige Aufträge zerlegt, bei der Teilfertigmeldung bleibt der Auftrag als Ganzes bestehen und wird nur schrittweise abgearbeitet.
Neu in SAP B1 10.0 FP2602: Lager & Logistik, Produktion, Bankwesen
ERP für die diskrete Fertigung – oder warum Schrauben nicht fließen
KI für SAP Business One nimmt den User ins Zentrum
Automatisierte Verwaltung von Produktionsaufträgen
Mit Fokus auf die Fertigung: Versino beteiligt sich an der SMS