Mit dem Feature Package 2602 erweitert SAP Business One 10.0 die Plattform an mehreren entscheidenden Stellen. Anwender bekommen visuelle Prozesskarten und neue Berichte im Web Client, Entwickler erhalten Webhooks im Service Layer, und der elektronische Dokumentenversand verarbeitet ab Support Package 2511 PDFs mit eingebettetem XML. Dieser Artikel ordnet die Neuerungen ein und zeigt, was sich in den Bereichen Usability, Analytics und Plattform konkret ändert.
Weiterlesen: SAP B1 10.0 FP2602: Process Maps, Reports und WebhooksProcess Maps: visuelle Navigation durch Geschäftsprozesse
Process Maps sind eine neue Funktionalität zur visuellen Darstellung von Geschäftsprozessen. Sie bieten eine geführte Navigation, die einen schnellen Zugriff auf verwandte Aufgaben ermöglicht. Standardmäßig liefert SAP Business One 10.0 FP2602 zwei vordefinierte Prozesskarten aus: “Quote to Cash” für den Vertriebsprozess und “Procure to Pay” für die Beschaffung. Beide Karten berücksichtigen dabei konsequent die hinterlegten Benutzerberechtigungen und Datenverantwortlichkeiten.
Eigene Prozesskarten mit der Design Process Map App
Jedes Unternehmen hat individuelle Abläufe. Daher liefert SAP zusätzlich die App “Design Process Map” aus. Mit ihr stehen zwei Methoden zur Verfügung: Anwender können entweder eine Kopie einer vordefinierten Prozesskarte anpassen oder eine komplett neue Karte von Grund auf erstellen. So lassen sich die Prozesskarten exakt auf die spezifischen Geschäftsprozesse zuschneiden.
Die Verwaltung aller Karten erfolgt zentral über die “Process Maps App”. Diese App listet sowohl die vordefinierten als auch die benutzerdefinierten Prozesskarten auf. Innerhalb der App können Benutzer ihre eigenen Karten jederzeit erstellen, bearbeiten oder wieder löschen.
Crystal Reports und neue Berichte im Web Client – Feature Package 2602
Im Web Client wurde eine neue Gruppe “Crystal Reports” hinzugefügt. Über sie lassen sich unternehmenseigene Berichte ausführen, die bereits im SAP Business One System verfügbar sind. Um Berichte zur Ansicht hinzuzufügen oder zu entfernen, nutzen Anwender die Funktion “Edit Homepage”. Als Beispielbericht nennt SAP den “Monthly Customer Status Report”, in dem sich Parameter für den gewünschten Datenbereich eingeben und Details für eine genauere Analyse heranzoomen lassen.
Dynamic Sales Analysis Report
Parallel dazu enthält die neue Gruppe “Reports” zwei eigenständige Auswertungen. Der “Dynamic Sales Analysis Report” steht für alle Lokalisierungen zur Verfügung. Er nutzt eine hierarchische Tabelle, mit der sich Geschäftsdaten auf mehreren Ebenen in Zeilen und Spalten gruppieren und summieren lassen. Auf diese Weise lassen sich kombinierte Leistungsindikatoren identifizieren, etwa die meistverkauften Produkte bei den profitabelsten Kunden über rollierende Zeiträume wie Jahre, Quartale oder Monate.
Darüber hinaus ermöglicht der Bericht eine detaillierte Aufschlüsselung der Daten. Anwender können die Datenaufschlüsselung einer ausgewählten Zelle direkt anzeigen und von dort nahtlos in die zugrundeliegenden Quelldokumente und Transaktionen abspringen. Die Web-Client-Version bietet zudem zwei wesentliche Erweiterungen gegenüber der ursprünglichen Variante: deutlich flexiblere Filterbedingungen und eine wesentlich größere Auswahl an auswählbaren Feldern.
Profit and Loss Statement Report
Ergänzend dazu liefert SAP den “Profit and Loss Statement Report” aus. Dieser Bericht ist allerdings nur für die Lokalisierungen DE, UK und US verfügbar. Auch hier funktioniert der Drilldown direkt aus einer ausgewählten Zelle, in diesem Fall in die zugrundeliegenden Journalbuchungen.
Webhooks im Service Layer: Echtzeit-Benachrichtigungen für Entwickler
Eine zentrale Plattform-Erweiterung betrifft den Service Layer. Er unterstützt nun Webhooks für sofortige Benachrichtigungen bei bestimmten Ereignissen im System. Über das Abonnement von Events können Webhooks automatisch Aktionen in angebundenen Applikationen auslösen. Ein Beispiel ist die Anlage eines Kundenauftrags: Sobald die Order entsteht, empfängt der Webhook Service Endpoint eine Benachrichtigung. Aus dieser Benachrichtigung heraus rufen Entwickler über die Service Layer APIs die kompletten Details des zugehörigen Dokuments ab.

Unterstützte Operationen und Objekte
Der Vorteil für Entwickler liegt in der breiten Unterstützung auslösender Ereignisse. Alle Datenmodifikationsoperationen können Webhook-Benachrichtigungen triggern, sofern die relevanten Events zuvor abonniert wurden. Konkret unterstützt SAP die Operationen Create, Update und Delete. Diese Operationen gelten gleichermaßen für Standard-Geschäftsobjekte, für benutzerdefinierte Tabellen (User-defined Tables, UDT) und für benutzerdefinierte Objekte (User-defined Objects, UDO).
Einrichtung Schritt für Schritt
Damit Entwickler die Webhooks nutzen können, muss zunächst der Webhook Messenger Service in der SAP Business One Umgebung installiert und gestartet sein. Anschließend aktivieren Administratoren die Webhooks in den Configuration Settings. Die technische Implementierung erfordert zudem die Einrichtung eines Webhook Endpoints, der die gesendeten Benachrichtigungen empfängt und verarbeitet. Sobald der Endpoint bereitsteht, lassen sich die Event Subscriptions erstellen und die abonnierten Events im System auslösen. Wichtig dabei: Die korrekte Verarbeitung der Benachrichtigungen muss manuell überprüft werden.
Electronic Documents: PDF mit eingebettetem XML
Auch im Bereich Electronic Documents gibt es eine relevante Neuerung. Ab dem Support Package 2511 für Version 10.0 steht im Reiter “Electronic Documents” der Document Settings das neue Protokoll “PDF with XML attachment” zur Verfügung. Mit dieser Konfiguration lassen sich Verkaufsdokumente wie die Ausgangsrechnung (AR Invoice) manuell oder automatisch als PDF exportieren. Das exportierte PDF enthält die Dokumentdaten zusätzlich im XML-Format als direkten Anhang.
Das XML befindet sich im Reiter “Attachments” der erstellten PDF-Datei und ist in externen Programmen wie Adobe Acrobat sichtbar. Dieser Mechanismus dient dem Datenaustausch mit den ERP-Systemen von Geschäftspartnern: Empfänger erhalten ein menschenlesbares PDF und gleichzeitig die maschinell verarbeitbaren Daten in strukturierter Form.
Was bleibt aus Feature Package 2602 hängen
Mit FP2602 verbindet SAP Business One 10.0 drei Stossrichtungen. Process Maps und die Design Process Map App heben die Usability auf eine prozessgeführte Ebene und verankern Berechtigungen sowie Datenverantwortlichkeiten in der Navigation. Der Dynamic Sales Analysis Report und der Profit and Loss Statement Report bringen flexible Analysen mit Drilldown direkt in den Web Client, ergänzt um die Crystal-Reports-Integration über Edit Homepage. Webhooks im Service Layer öffnen die Plattform für ereignisgetriebene Integrationen mit externen Anwendungen, und das neue Protokoll “PDF with XML attachment” ab SP 2511 vereinfacht den elektronischen Belegaustausch mit Geschäftspartnern.
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