Der Entnahmewert ist der Wert, mit dem ein Unternehmer eine Entnahme aus dem Betrieb ansetzt. Steuerlich ist dafür nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG der Teilwert maßgeblich.
Was eine Entnahme ist
§ 4 Abs. 1 Satz 2 EStG definiert Entnahmen als alle Wirtschaftsgüter, die der Steuerpflichtige dem Betrieb für sich, für seinen Haushalt oder für andere betriebsfremde Zwecke im Laufe des Wirtschaftsjahres entnommen hat. Dazu zählen Barentnahmen, Waren, Erzeugnisse, Nutzungen und Leistungen.
Bewertung mit dem Teilwert
Bei Vorratsvermögen deckt sich der Teilwert in der Regel mit den Wiederbeschaffungskosten. Die historischen Anschaffungskosten sind nicht maßgeblich, ebenso wenig der Verkaufspreis mit Gewinnmarge. Ein Beispiel: Bei Anschaffungskosten von 200 €, einem Teilwert von 220 € und einem Verkaufspreis von 321 € gilt der Teilwert von 220 €.
Umsatzsteuer
Die Entnahme eines Gegenstands ist umsatzsteuerlich eine unentgeltliche Wertabgabe. § 3 Abs. 1b Nr. 1 UStG stellt sie einer Lieferung gegen Entgelt gleich. Voraussetzung: Der Gegenstand oder seine Bestandteile haben zum Vorsteuerabzug berechtigt. Bemessungsgrundlage ist nach § 10 Abs. 4 Nr. 1 UStG der Einkaufspreis zuzüglich Nebenkosten zum Zeitpunkt der Entnahme, ersatzweise die Selbstkosten. Bei Nutzungs- und Leistungsentnahmen zählen die entstandenen Kosten (§ 10 Abs. 4 Nr. 2 und 3 UStG).
Hatte der Unternehmer beim Einkauf keinen Vorsteuerabzug, etwa als Kleinunternehmer, fällt auf die Entnahme keine Umsatzsteuer an. Eine Geldentnahme ist niemals umsatzsteuerpflichtig. Für unentgeltliche Wertabgaben wie Lebensmittel veröffentlicht das BMF jährlich Pauschbeträge. Für den Firmenwagen gilt bei mehr als 50 % betrieblicher Nutzung die 1-%-Regel: Der Unternehmer setzt monatlich 1 % des Bruttolistenpreises an. Umsatzsteuerlich zählen pauschal 80 % dieses Werts. Alternativ kommt ein Fahrtenbuch in Frage.
Buchung
Im SKR04 bucht der Unternehmer Privatentnahme (2100) an Entnahmen durch Unternehmer für Zwecke außerhalb des Unternehmens (4620) und Umsatzsteuer (3800). Im SKR03 übernimmt Konto 8910 die Rolle von Konto 4620. Ein Beispiel: Ein Fahrradhändler entnimmt ein Fahrrad, das er für 300 € eingekauft hat. Der Wiederbeschaffungswert bei Entnahme beträgt 320 €. Der Händler bucht Privatentnahme 380,80 € an Unentgeltliche Entnahme 320,00 € und Umsatzsteuer 60,80 €.
Die Buchung erhöht den Gewinn in Höhe des Teilwerts und neutralisiert so den zuvor gebuchten Aufwand. Das Eigenkapital sinkt über das Privatkonto. Entnimmt der Unternehmer Anlagevermögen, behandelt er den Vorgang wie einen Anlagenverkauf: Er bucht den Restbuchwert aus und setzt die Entnahme zum Wiederbeschaffungswert an.
Abgrenzung
Kapitalgesellschaften haben keine Privatkonten. Das Gegenstück zur Entnahme ist die Einlage. Sie wird mit dem Teilwert angesetzt, höchstens aber mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten, wenn der Gegenstand nicht älter als drei Jahre ist (§ 6 Abs. 1 Nr. 5 EStG). Verwandte Einträge: Privateinlage und Privatentnahme, Teilwert, Eigenkapital (SAP Business One).
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