Das Funktionspaket FP 2608 erweitert SAP Business One 10.0 an drei Stellen, die Anwender im Tagesgeschäft direkt spüren. Der Web Client bekommt drei neue, tief verzweigte Auswertungen. Der Kontenabgleich läuft über neue Anwendungen für den externen Abgleich deutlich strukturierter. Und der Service Layer erlaubt Entwicklern erstmals, Ereignisdaten und Ereignisauslösung selbst zu steuern.
Drei neue Auswertungen im Web Client
SAP Business One 10.0 FP 2608 bringt drei neue Anwendungen in die Auswertungsgruppe des Web Clients. Alle drei folgen demselben Aufbauprinzip: Eine hierarchische Tabelle liefert verdichtete Kennzahlen, ein Klick auf eine Zeile öffnet eine Detailtabelle mit den zugrundeliegenden Einzeltransaktionen, und von dort führt der Weg direkt zu den Ursprungsbelegen.
Sachkontenbericht: lückenloser Prüfpfad der Finanzaktivitäten
Der Sachkontenbericht (im System: General Ledger Report) liefert einen lückenlosen Prüfpfad der Finanzaktivitäten. Zwei vordefinierte Ansichten stehen bereit. Die Ansicht Sachkonten summiert alle Buchungen auf Ebene der Sachkonten. Die Ansicht Geschäftspartner fasst dagegen alle Buchungen je Kunde, Lieferant oder beides zusammen. Anwender gruppieren und summieren die Tabelle nach mehreren Dimensionen gleichzeitig, etwa nach Geschäftspartnername, Buchungsdatum, Soll-/Haben-Summe oder Saldo seit Jahresbeginn. Aus einer summierten Zeile springt der Nutzer in die Detailtabelle mit allen Einzeltransaktionen des jeweiligen Geschäftspartners und von dort weiter zu Sachkonten, Journaleinträgen und Ursprungsbelegen.
Einkaufsanalysebericht: erweiterte Auswertung des Einkaufs
Der Einkaufsanalysebericht (im System: Purchase Analysis Report) geht über klassische Perioden-Auswertungen hinaus und bietet zwei Detailstufen an: reine Kopfdaten oder Kopf- und Positionsdaten zusammen. Die hierarchische Tabelle lässt sich beispielsweise nach Lieferant gruppieren und zeigt Mengen, Kosten und Summen über Jahre und Quartale. Zusätzlich sortiert und filtert der Anwender die Tabelle, etwa absteigend nach Lieferantencode oder eingeschränkt auf einen einzelnen Artikel. Die Detailtabelle zeigt anschließend alle beitragenden Transaktionen samt Journaleinträgen. Mit einem Klick erreicht der Nutzer Eingangsrechnungen, Artikelstammdaten und Journaleinträge.
Lagerbewegungsbericht: Bestandsveränderungen im Blick
Der Lagerbewegungsbericht (im System: Inventory Movement Report) verfolgt Lagerbewegungen nach Menge und Wert über die Zeit: Wareneingang, Verkauf, Umlagerung, Anpassung und Retoure. Auch hier liefert SAP vordefinierte Ansichten mit Schwerpunkt auf Verkaufs-, Einkaufs- und Lageraktivitäten. Eine Beispielansicht mit dem Fokus verkaufsgetriebener Lagerabgang zeigt Lagerbewegung und finanzielle Entwicklung gegliedert nach Kunde, Artikel und Vertriebsmitarbeiter, inklusive Werten, Kosten, Mengen und Profitabilitätskennzahlen. Auch hier führt die Detailtabelle direkt zu Verkaufsbelegen, Artikelstammdaten und Journaleinträgen.
Mehr Auswahlfelder, flexiblere Filter
Alle drei Web-Client-Auswertungen bieten im Vergleich zu den entsprechenden ursprünglichen Berichten im SAP-Business-One-Client mehr auswählbare Felder für die Analyse. Gleichzeitig lassen sich die Filterbedingungen flexibler setzen, etwa nach Belegarten, Datumsbereichen oder Geschäftspartnern. Anwender arbeiten dadurch direkt im Web Client mit einer Analysetiefe, die bisher zusätzliche Auswertungen erforderte.
Kontenabgleich: neue Struktur für den externen Abgleich
FP 2608 führt eine neue Gruppe für den Bankbereich im Web Client ein. Darin liegen die neuen Anwendungen zum externen Kontenabgleich, die laut SAP verändern, wie Sachkonten und Geschäftspartner abgeglichen werden.
Manueller Bankabgleich für den schnellen Kontoauszugsvergleich
Der Manuelle Bankabgleich (im System: Manual Bank Reconciliation) eignet sich für den schnellen Abgleich mit einem physischen Kontoauszug. Der Anwender wählt das Konto aus, erfasst die Kontoauszugsdetails, prüft die offenen Transaktionen und wählt die passenden aus. Für kleine Differenzen, etwa Bankgebühren, stehen Ausgleichsbuchungen zur Verfügung. Stimmen die Beträge überein, schließt der Nutzer den Abgleich ab.
Externer Kontenabgleich mit drei Modi
Der Externe Kontenabgleich (im System: External Reconciliation) deckt sowohl Bank- als auch Geschäftspartner-Kontoauszüge ab und bietet dafür drei Arbeitsweisen an.
Im Modus Manuell setzt der Anwender einen Datumsbereich, wählt passende Paare aus und gleicht sie ab. Bei Bedarf erzeugt er direkt eine Ausgleichsbuchung.
Im Modus Halbautomatisch liefert der Web Client intelligente Vorschläge, während der Nutzer die Kontrolle behält. Er definiert Abgleichskriterien, wählt eine Transaktion oder eine Kontoauszugsposition aus, und das System schlägt passende Treffer vor. Die Funktion Weiter zum nächsten Eintrag erlaubt es, die Liste ohne Dialogwechsel durchzuarbeiten. Der Anwender prüft die Vorschläge, wählt einen Treffer aus und gleicht ab.
Im Modus Automatisch verarbeitet das System große Volumen in einem Durchgang, basierend auf zuvor definierten Parametern. Der Abgleich läuft automatisch, nicht abgleichbare offene Transaktionen bleiben zur weiteren Prüfung stehen.
Die Abgleichshistorie im Überblick
Die Abgleichshistorie (im System: Reconciliation History) zeigt die Historie aller Abgleichvorgänge. Details lassen sich je Zeile abrufen, und ein bereits durchgeführter Abgleich kann storniert werden.
SAP nennt den Bank-Kontoauszugsabgleich und den Geschäftspartner-Kontoauszugsabgleich ausdrücklich als betroffene Prozesse. Zum klassischen Zahlungsassistenten oder zur bisherigen Kontoauszugsverarbeitung liegen keine Angaben vor.
Service Layer: mehr Kontrolle über Webhooks
Der Service Layer erhält zwei Erweiterungen bei den Webhooks.
Anpassung der Ereignisdaten: benutzerdefinierte Felder im Ereignis
Die Nutzdaten eines Ereignisses liegen im JSON-Format vor. Bisher standen darin nur Standardfelder und Schlüsselfelder zur Verfügung. Ab FP 2608 fügt der Entwickler benutzerdefinierte Felder direkt bei der Ereignis-Abonnierung hinzu. Dadurch entfällt ein zusätzlicher Service-Layer-Aufruf an den OData-Service, um Detailinformationen nachzuladen. Bei einem Verkaufsauftrag lassen sich auf diese Weise etwa Belegnummer, Geschäftspartnercode und Belegsumme als Kopf-Felder direkt in der Abonnierung mitgeben, statt sie nachträglich separat abzufragen. Die exakten technischen Feldbezeichner für diese Kopf-Felder sind nicht im Wortlaut als offizielle Service-Layer-Property-Namen belegt. Wer die Funktion produktiv einsetzt, sollte die konkreten Property-Namen daher gegen die offizielle Service-Layer-Dokumentation prüfen.
Bedingte Ereignisauslösung: Ereignisse an Bedingungen knüpfen
Mit der Bedingten Ereignisauslösung definiert der Entwickler eine Geschäftsbedingung als Ausdruck, eine sogenannte bedingte Ereignisformel. Die Formel wird als boolescher Wert ausgewertet und steuert damit granular, wann ein Ereignis zur Laufzeit überhaupt ausgelöst wird.
SAP nennt zwei Beispiele. Ein Ereignis für neu angelegte Artikel löst nur aus, wenn die ersten drei Buchstaben eines neuen Artikels „ABC“ lauten. Ob damit Artikelname oder Artikelnummer gemeint ist, bleibt offen. Ein Ereignis für neue Aufträge löst nur aus, wenn zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind: Das Fälligkeitsdatum liegt innerhalb von sieben Tagen, und die Belegsumme übersteigt 1.000. Die Formel funktioniert dabei ähnlich wie eine Formel bei den Benutzerdefinierten Werten und lässt sich auch auf andere Geschäftsszenarien übertragen.
In der Demo legt ein Anwender im Web Client einen Verkaufsauftrag mit Drucker-Positionen an. Die Belegsumme liegt über 1.000, das Lieferdatum zwei Tage in der Zukunft. Das Ereignis löst aus, und die Benachrichtigung trifft mit den angeforderten Daten ein.
Zu inkompatiblen Änderungen oder Funktionsabkündigungen am Service Layer liegen bislang keine Angaben vor.
Benutzerdefinierte Werte: automatische Aktualisierung erweitert
Bei den Benutzerdefinierten Werten (im System: User-Defined Values, kurz UDV) lässt sich für ein anpassbares Feld eine Formel hinterlegen. Ab FP 2608 stehen dafür zwei zusätzliche Steuerungswege zur Verfügung.
Die Option Bei Ereignissen aktualisiert den Feldwert automatisch, sobald ein Geschäftsbeleg oder ein Geschäftsobjekt hinzugefügt oder aktualisiert wird. Die Option Bei Feldänderungen oder Ereignissen geht einen Schritt weiter und aktualisiert den Feldwert zusätzlich dann, wenn sich andere Feldwerte ändern.
In der Demo konfiguriert der Anwender bei einem Verkaufsauftrag das Lieferdatum als „Buchungsdatum plus eine Woche“. Das Buchungsdatum dient dabei als Auslösefeld, im Ereignis-Auswahlfeld ist Hinzufügen und Aktualisieren ausgewählt. Ändert sich das Buchungsdatum, passt das System das Lieferdatum entsprechend automatisch an.
Darüber hinaus stehen Benutzerdefinierte Werte jetzt für weitere Geschäftsobjekte zur Verfügung: Bezugsnebenkosten, Lagerbuchungen, Lagerbestand-Anfangssalden und Ressourcen (im System: Landed Costs, Inventory Postings, Inventory Opening Balances, Resources). Der Zugriff erfolgt entweder über die jeweilige Objekt-Detailansicht oder über die zentrale Anwendung Benutzerdefinierte Werte.
Einordnung
FP 2608 setzt an drei getrennten Stellen an, die sich gegenseitig ergänzen. Anwender bekommen mit den drei neuen Berichten tiefere Analysen direkt im Web Client, ohne auf externe Auswertungstools auszuweichen. Der Finanzbereich profitiert zusätzlich von den neuen Anwendungen zum externen Kontenabgleich, die den Kontenabgleich strukturierter und je nach Volumen manuell, teilautomatisiert oder vollautomatisch abbilden. Entwickler wiederum erhalten mit den beiden Service-Layer-Erweiterungen mehr Kontrolle darüber, welche Daten ein Ereignis mitliefert und wann es überhaupt ausgelöst wird. Die Erweiterung der Benutzerdefinierten Werte rundet das Funktionspaket ab und macht automatische Feldaktualisierungen breiter einsetzbar.
Dieser Artikel beruht auf einer einzigen Quelle: einer SAP-Feature-Vorstellung zu FP 2608 in Form eines Transkripts, kein offizielles SAP-Release-Dokument. Detailangaben wie exakte Service-Layer-Feldnamen, konkrete Menüpfade und Voraussetzungen für das Upgrade sind daher vor dem produktiven Einsatz gegen die offizielle SAP-Dokumentation zu prüfen.
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