SAP hat im März 2026 die aktuelle SAP Business One Road Map für SAP Business One veröffentlicht. Sie zeigt, wohin die Reise geht – für bestehende Kunden, für Partner und für Unternehmen, die über eine Einführung nachdenken. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Inhalte zusammen: was bereits ausgeliefert wurde, was kurzfristig folgt und welche strategischen Weichen SAP langfristig stellt.
Weiterlesen: SAP Business One Road Map 2026Warum SAP weiter in Business One investiert
SAP Business One ist das meistverkaufte ERP-Produkt von SAP gemessen an der Kundenzahl. Weltweit setzen über 83.000 Unternehmen in mehr als 170 Ländern auf die Lösung – mit insgesamt über 1,2 Millionen Nutzern. Mehr als 850 Partner implementieren und betreuen die Software, über 500 Partnerlösungen ergänzen den Standard.
Diese Zahlen erklären, warum SAP die strategische Bedeutung von Business One ausdrücklich bestätigt. Karl Fahrbach, SAP Chief Partner Officer, formulierte es im Dezember 2025 so: Business One sei von strategischer Bedeutung innerhalb des SAP-Portfolios – und das Ökosystem der Partner stehe dabei im Mittelpunkt des Erfolgs.
Folglich richtet SAP seine Investitionen konsequent auf vier Bereiche aus: die Weiterentwicklung des Core ERP, die Ermöglichung von Partner-Co-Innovationen über SAP BTP und SAP Build, ein flexibles Deployment-Modell mit Cloud-Fokus sowie die Wettbewerbsfähigkeit der Lösung gegenüber anderen ERP-Systemen im KMU-Segment.

Was mit Version 10 bereits geliefert wurde (FP 2602)
Web Client – der neue Standard
Der Web Client ist das zentrale Investitionsfeld der letzten Entwicklungszyklen. Er basiert auf dem SAP Fiori Design System, läuft im nativen Browser und greift auf dieselbe Unternehmensdatenbank zu wie der klassische Desktop-Client. Damit ist er kein separates System, sondern eine moderne Oberfläche für denselben Kern.
Bereits heute deckt der Web Client umfangreiche Geschäftsprozesse ab: Verkaufs- und Einkaufsbelege inklusive Belegerfassungs- und Beschaffungsbestätigungs-Assistenten, CRM, Service, Zeiterfassung, Zahlungsverkehr, Lagertransaktionen, Produktion und Ressourcen sowie Genehmigungs- und Entwurfsprozesse. Zudem sind anspruchsvolle Analysefunktionen integriert – darunter listenbasierte Analysen mit Datumversatz, allgemeine Übersichten mit KPI-Setup sowie benutzerdefinierten Abfragen.
Für die Erweiterbarkeit steht ein UI-API-Framework zur Verfügung. Entwickler können damit Web-Client-Oberflächen anpassen, neue Controls einbinden, Webhooks nutzen und die gesamte Entwicklung direkt im VS Code IDE durchführen – inklusive TypeScript-Unterstützung und Deployment über den Extension Manager.
Lokalisierungen und E-Invoicing
SAP liefert kontinuierlich länderspezifische Anpassungen. Mit FP 2602 wurden unter anderem folgende Bereiche ausgebaut:
- Elektronische Rechnungsstellung: EU Peppol, XRechnung für Deutschland, KSeF für Polen, elektronische Rechnungen für Israel und Portugal
- Steuerreporting: SAF-T für Norwegen und Portugal, E-Books für Griechenland, Withholding Tax für Mexiko, Golden Tax für China
- Weitere Länder: CAEA für Argentinien, Qualified Invoice Method für Japan, E-TDS für Indien, 1099-Formulare für die USA
Dadurch unterstützt Business One inzwischen 50 Länderlokalisierungen und 28 Systemsprachen.
Lifecycle Management und Cloud Control Center
Mit FP 2602 wurden außerdem wichtige Infrastrukturverbesserungen ausgeliefert. SAP führt modulare Tomcat-Deployments ein: Dienste wie License Service, Job Service und Service Layer Controller laufen nun auf separaten Tomcat-Instanzen statt auf einer gemeinsamen Instanz. Das reduziert gegenseitige Abhängigkeiten, ermöglicht unabhängige Neustarts und erhöht die Gesamtstabilität.
Das Cloud Control Center (CCC) – das zentrale Verwaltungswerkzeug für mandantenfähige Deployments durch Partner – erhielt ebenfalls Erweiterungen: Zertifikats-Monitoring für Service-Unit-Komponenten, SLD-Agenten-Versionsverfolgung, vereinfachte High-Availability-Konfiguration sowie die Möglichkeit, Identity Provider direkt aus dem CCC zu konfigurieren. Zudem wird Microsoft SQL Server 2022 nun unterstützt.
Was als nächstes kommt (SP 2605 / FP 2608)
Kernprozesse und Compliance
Für die nächsten Releases (SP 2605 und FP 2608) plant SAP eine Reihe von Erweiterungen im Bereich Business-Prozesse und rechtliche Compliance:
- Verbesserung hochpriorisierter Anfragen aus dem Customer-Influence-Programm
- Änderungsprotokoll-Berichtserweiterungen
- Elektronische Rechnungsstellung für Frankreich (Empfang ab 2026)
- Audit-Datei und ZM/ELMA-Dateiformat für Deutschland
- JPK-Berichte für Polen
- Unterstützung für Down-Payment-Kopffracht
Im Bereich Lifecycle Management stehen folgende Themen im Fokus: verbesserte Sicherheit und Compliance, erweiterte Service-Layer-Abdeckung, Zertifikatsmanagement-Optimierung für kurzlebige TLS-Zertifikate sowie Unterstützung für Microsoft SQL 2025.
Web Client Erweiterungen
Für FP 2608 plant SAP eine deutliche Erweiterung des Web Clients. Darunter fallen:
- Neue Prozessbereiche: HR (Mitarbeiterdaten), interne Abstimmung, Periodenabschluss, Zahlungsassistent, Bankabstimmung, MRP, Pick & Pack, Lagerneubewerung sowie Projektverwaltung
- Analytics: UDQ-Parameter-Unterstützung, Integration mit SAPs generativem AI Hub für die Generierung benutzerdefinierter Abfragen sowie neue Report-Inhalte (Hauptbuch, Lagerbewegung, Einkaufsanalyse)
- Extensibility: Erweiterte UI-API-Controls und Views, erweiterter VS Code IDE Plugin-Support, verbesserte Microsoft 365 Mail- und Anlagen-Integration

Der Blick nach vorn: Version 11 ab 2027
Multi-Tenant Cloud für Partner
Version 11 von SAP Business One ist für 2027 angekündigt. Sie markiert den nächsten Generationssprung – insbesondere im Bereich Cloud-Management durch Partner.

Kernpunkte der Version 11:
- Deployment auf führenden Hyperscaler-Plattformen: Business One läuft nativ auf Public-Cloud-Infrastrukturen
- Native Cloud-Storage-Integration: Anbindung an SharePoint, Google Drive, OneDrive und weitere Plattformen
- Unified SLD: Ein einziges System Landscape Directory verwaltet sowohl Single-Tenant- als auch Multi-Tenant-Deployments über mehrere v11-Releases hinweg
- Optimiertes Lifecycle Management: Vereinfachte Installation, automatisierte Updates, In-Place-Upgrades für Komponenten sowie die Erkundung von Containerisierung für mehr Deployment-Flexibilität
- Verbesserte Authentifizierung: Stärkung von SSO, Multi-Faktor-Authentifizierung und modernen Authentifizierungsmethoden
Zusätzlich sind mit Version 11 neue funktionale Inhalte geplant: Item-Varianten und BOM-Versionierung ergänzen den Standard. Der Desktop-Client und die Unterstützung für MS SQL und SAP HANA bleiben dabei erhalten.
KI-Integration und MCP-Server
SAP treibt die KI-Befähigung von Business One aktiv voran – sowohl durch eigene Use Cases als auch durch die Öffnung der Plattform für Partnerlösungen.
Geplant sind konkret:
- SAP Generative AI Hub Integration: Partner können SAP AI Core Services für eigene Erweiterungen nutzen
- Ausgewählte SAP-eigene Use Cases: Generierung benutzerdefinierter Abfragen per GenAI sowie eine “Ask GenAI”-Funktion, die ausgewählte Business-One-Daten kontextuell an SAP AI Services übergibt
- Open-Source MCP-Server-Unterstützung: Damit lässt sich Business One für KI-Agenten-Szenarien öffnen – ein klares Signal in Richtung agentenbasierter Prozessautomatisierung
Was das für SAP B1 Partner und Kunden bedeutet
Die Road Map 2026 sendet klare Signale. SAP hält an Version 10 fest und liefert kontinuierlich über Feature Packages und Support Packages aus. Gleichzeitig bereitet SAP die Brücke zu Version 11 vor, die 2027 erscheint – mit einer bewusst begrenzten Überschneidungszeit beider Versionen.
Für Partner bedeutet das: Wer heute in den Web Client, in Service-Layer-Entwicklung und in SAP BTP-Erweiterungen investiert, positioniert sich für Version 11. Die Plattform wird durchgängig weiterentwickelt, nicht neu erfunden.
Für Kunden bedeutet das: Business One bleibt eine strategisch abgesicherte Investition. Der Web Client wird zunehmend zur primären Oberfläche, ohne dass der Desktop-Client kurzfristig wegfällt. Lokalisierungen, Compliance-Anforderungen und Cloud-Optionen werden systematisch ausgebaut.
Daher lohnt es sich, die Entwicklungen im Customer Influence Program aktiv zu begleiten – denn SAP nimmt Kunden- und Partnerfeedback messbar in die Planung auf, wie die zahlreichen Verbesserungen in FP 2602 zeigen.
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